Siemens und Zwangsarbeit in Ravensbrück

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Oktober 1931 Carl Friedrich von Siemens und andere Industrielle fordern Reichspräsident von Hindenburg schriftlich auf, die Regierung an den Führer der NSDAP zu übertragen.
1938 Schon vor dem Novemberprogrom richtet Siemens aus eigenmotiviertem Antrieb Sonderabteilungen für jüdische MitarbeiterInnen ein.
Frühjahr 1940 Siemens beginnt mit dem Einsatz jüdischer ZwangsarbeiterInnen. Ihre Angst vor Deportation in die Vernichtungslager nutzt der Konzern als Druckmittel, um höhere Arbeitsleistungen zu erpressen.
August 1942 Siemens lässt beim Frauen-KZ Ravensbrück ein eigenes Werk errichten.
Februar 1943 Alle Jüdinnen und Juden werden aus den Berliner Betrieben deportiert.
1943 zwangsverpflichtete FremdarbeiterInnen, Kriegsgefangene, jüdische ZwangsarbeiterInnen und KZ Häftlinge vieler Nationen machen ca. 30% der Siemensbelegschaft aus
1944 mMindestens 15.200 jüdische ZwangsarbeiterInnen und KZ-Häftlinge werden u.a. in Buchenwald, Groß-Roden, Auschwitz-Bobrek sowie den Siemensstandorten Berlin, Nürnberg und Wien ausgebeutet.
Novmber 1944 Siemens läßt unmittelbar neben de Werkshallen in Ravensbrück 13 Schlafbaracken, das "Siemenslager" errichten.
1944/ 1945 In den 20 Montagehallen müssen über 2000 Häftlinge des KZ Ravensbrück arbeiten.
Anfang 1945 Wie im gesamten KZ Ravensbrück beginnt auch im "Siemenslager" die Selektion arbeitsunfähiger Frauen. Sie werden in das geräumte Jugend-KZ Uckermark gebracht und dort oder in den Ravensbrücker Gaskammern ermordet.
März/ April 1945 Häftlinge müssen die Anlagen im Ravensbrücker Siemenswerk zur Verlagerung in die späteren westlichen Besatzungszinen demontieren.
28.April 1945 Das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück wird geräumt und die Gefangen auf die Todesmärsche getrieben.
Anfang der 60ger Jahre 2.203 jüdische ZwangsarbeiterInnen erhalten nach zähem Ringen der Jewish Claims Conference von Siemens eine einmalige Zahlung von 3.200 DM als "Entschädigung".
1990/91 Die Klage einer ehemaligen Zwangsarbeiterin bei Siemens im KZ Ravensbrück wird wegen Verjährung vom OLG München abgewiesen.
13.Februar 1997 In und vor der Siemens-AktionärInnenversammlung in Berlin wird die sofortige Entschädigung für alle ehemaligen ZwangsarbeiterInnen gefordert.
Februar 1997 Mit der Aufstellung eines Denkmals, daß "der vielen Mitmenschen, die in den Jahren des zweiten Weltkriegs gegen ihren Willen in unserem Unternehmen arbeiten mußten", gedenken soll, setzt Siemens die Verleugnung und Verdröngungn auch im 150. Jahr der Firmengeschichte fort.
22. April 1997 Die Einweihung des Denkmals wird abgesagt. Der Pressesprecher Enzio von Kühlmann-Stumm: "Wir haben davon völlig abgesehen, nachdem es schon wieder Hinweise auf irgendwelche Protestaktionen gab."
12. Oktober 1997 im Berliner ICC wird der Festakt zum 150. Firmenjubiläum begangen.
1998 Unter dem Eindruck gewonner Klagen bei amerikanischen Gerichten gegenüber Schweizer Banken, gibt Siemens bekannt, gemeinsam mit anderen Konzernen, die an ZwangsarbeiterInnen verdient hatten, einen Entschädigungsfond einzurichten.
März 2000 Das Bundeskabinett beschließt den Gesetzentwurf für die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", in die zehn Milliarden Mark fließen sollen. Eine Milliarde Mark fließen in den Ausgleich von Vermögensschäden, für den Zukunftsfonds stehen 700 Millionen Mark zur Verfügung, 200 Millionen Mark für Verwaltungskosten. Gut 8,2 Milliarden Mark gehen direkt an die Opfer.
30. Mai 2001 Mit großer Mehrheit stellt der Bundestag die Rechtssicherheit fest - eine entscheidende Voraussetzung für den Beginn der Auszahlungen.
15. Juni 2001 Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" überweist insgesamt 213 Millionen Mark an Partnerorganisationen in Polen und Tschechien sowie an die "Jewish Claims Conference". Das Geld deckt die erste Entschädigungs-Rate für 30.000 Zwangsarbeiter ab.

Diese Angaben beziehen sich hauptsächlich auf Informationen des Aktionsbündnis '150 Jahre Siemens - Entschädigung jetzt!'. Es gibt einen Aufruf zur Entschädigung ehemaliger ZwangsarbeiterInnen. Die Adresse  für weitere Informationen ist:
Aktionsbündnis '150 Jahre Siemens - Entschädigung jetzt!'
c/o VVN/VdA, Boddinstr. 64, 12053 Berlin


Eine weitere Quelle zu diesem Thema ist das Buch  'Frauen in Konzentrationslagern', Edition Temmen, Bremen 1994, ISBN 3-86108-237-3, S.63 ff.  

Im Buchladen der MGS Ravensbrück sind eine Reihe interessanter Schilderungen von Zeitzeuginnen vorhanden.

 

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